„Das Leben endet, die Liebe nie!“ Unter diesem Motto fand am Mittwochabend in der Attenkofer Akademie in Straubing eine Lesung mit ganz viel Herz, nachklingenden Emotionen und Gänsehautmomenten statt. Autorin Huberta Gabalier war mit Ehemann Gert Rücker eigens aus der Steiermark angereist, um aus ihren fünf Lyrikbänden Mut und Zuversicht zu verbreiten.
„Das Leben endet, die Liebe nie!“ Unter diesem Motto fand am Mittwochabend in der Attenkofer Akademie in Straubing eine Lesung mit ganz viel Herz, nachklingenden Emotionen und Gänsehautmomenten statt. Autorin Huberta Gabalier war mit Ehemann Gert Rücker eigens aus der Steiermark angereist, um aus ihren fünf Lyrikbänden Mut und Zuversicht zu verbreiten.
Und schon begrüßte Sonja Ettengruber, Leiterin der Attenkofer Akademie, die Gäste in der ausgebuchten Akademie: „Ich freue mich, dass so viele heute zur Benefizveranstaltung des Lions Clubs Schloss Wildthurn in Niederbayern gekommen sind.“ Die Zusammenarbeit mit Huberta Gabalier entstand über Clubmitglied Renate Zenker-Sturm, diese verriet: „Ich habe sie bei einem Konzert ihres Sohnes, dem Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier, kennengelernt – und wir sind schnell in einen Herzensaustausch gekommen.“ Statt eines Eintritts wurde um Spenden für gemeinnützige Zwecke des Lions-Hilfswerks gebeten. Club-Präsidentin Maria Scholz betonte in ihrer Ansprache: „Huberta Gabaliers Thema beschäftigt mich auch selbst, denn vor neun Monaten ist mein Vater plötzlich und unerwartet verstorben. Ein Schicksalsschlag öffnet die Augen; zeigt, wie wertvoll das Leben ist und wie klein dagegen so manche Probleme sind.“
Und schon blickt Huberta Gabalier über den Rand ihrer roten Brille, in der Hand die Gedichtbände, unter anderem „Herzleben“, „Von Herz zu Herz“ oder „Herzgeflüster“ mit mehreren gelben Einmerkerl, wie die Österreicherin die mit Lesezeichen markierten Seiten nennt. „Das Leben ist der Augenblick, der Augenblick das Leben“, sagt sie. Und berichtet vom Unfalltod ihres Bruders, der geschah, als sie 14 Jahren alt war. „Wir haben damals zusammen geweint und gebetet, was anderes kannten wir nicht“. Und damals habe sie gedacht: „Es kann mir nichts Schlimmeres mehr passieren als das.“ Es kam aber noch schlimmer: Der Suizid ihres ersten Mannes Wilhelm im Jahre 2006 und zwei Jahre später der ihrer Tochter Elisabeth im Alter von 19 Jahren.
Viele Fragen sind bis heute offen geblieben
„Sie sind beide freiwillig aus dem Leben geschieden und viele Fragen nach dem ‘Warum?’ sind bis heute offengeblieben. Ich kann hier kein Patentrezept geben, kann nur erzählen, was mir geholfen hat, vielleicht findet sich der eine oder andere ja in meinen Geschichten wieder.“ Unter widrigsten Umständen habe sie wieder ins Leben zurückgefunden, aber alle Trauerphasen durchlebt – „von Wut über Zorn, Schreien, Apathie bis hin zur Schlaflosigkeit war alles dabei“, gibt Huberta Gabalier preis. Trauerarbeit sei die größte Herausforderung, sie ziehe den Hut vor allen, die dies bewältigen müssen und schaffen.
Bei ihr selbst sei nach vielen Jahren plötzlich der Wunsch nach Heilung, nach Lachen und nach Fröhlichkeit zurückgekehrt. Ihre Mutter und ihre drei Buben Willi, Andreas und Antonius (heute 44, 41 und 34 Jahre alt) seien damals ihr größter Anker gewesen, sie gaben ihr Lebenswillen und Mut. Ihr habe das Schreiben geholfen, ihren Kindern das Musizieren oder Tanzen. Und: „Ich bin so froh und demütig, dass wir es gemeinsam geschafft haben! Das hat uns zusammengeschweißt. Und ich hatte noch die große Gnade, einem Mann zu begegnen; ich bin seit zehn Jahren wieder glücklich verheiratet und irrsinnig dankbar dafür.“ Ganz wichtig für die Hinterbliebenen, weiß Gabalier: „Menschen, die uns nicht allein lassen, die für uns da sind, von denen wir uns verstanden fühlen. Denn Menschen brauchen Menschen!“ Ihr selbst habe auch die Natur geholfen und sie geheilt, sie habe Trost in jedem Baum, in jedem Strauch, in jeder Blume gefunden, „ganz besonders im Frühling“, gibt sie Tipps. Für Huberta Gabalier gehört der Tod zum Leben dazu; wir hätten es nur verlernt, ihn in unser Leben zu integrieren, sagt sie. „Bereits mit der Geburt wissen wir alle, dass wir auch eine Todesstunde haben, und diese ist festgelegt, davon bin ich überzeugt“.
Eine emotionale Achterbahnfahrt
Mittlerweile wischt sich so manch eine(r) verstohlen die eine oder andere Träne aus den Augen. Die Gefühle kochen vollends hoch, als Musiker und Saxophonist Johannes Montag alias Kapitän Holz mit „Herz aus Holz“ von seinem eigenen schweren Verlust, nämlich dem seiner Tochter Lilly, singt. „Mit diesem Song schlägt ihr Herz auf ewig weiter, in meiner Musik und in mir, es passt perfekt zu den Gedichten von Huberta Gabalier, unser Zusammenspiel ist eine emotionale Achterbahnfahrt“, erklärt Kapitän Holz, der aus Bodenkirchen stammt. Der Sänger und Songwriter und die Mutmacher-Botschafterin Gabalier haben sich auch gerade erst zum ersten Mal gesehen – auch hier hat Organisatorin Renate Zenker-Sturm perfekt vermittelt.
Dann ruft Sonja Ettengruber zum Kauf der mit persönlichen Widmungen der Autorin versehenen, schön gestalteten Bände in Regenbogenfarben auf; die Bücher gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. „Ich habe noch immer Gänsehaut, was für ein herzberührender Abend“, flüstert eine Besucherin. Huberta Gabalier bedankt sich und betont: „Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie eingebettet sein mögen in die allumfassende Liebe. Und wünsche all denjenigen, die gerade trauern, dass sie die Liebe der Gegangenen spüren können – so, wie ich es bei meinen Lieben tue.“ Bevor sie mit Ehemann Gert Rücker in die Nacht verschwindet, schwärmt die Schriftstellerin und ehemalige Hauswirtschaftslehrerin von ihrem allerersten Straubing-Besuch: „Was für eine entzückende Stadt – ich hoffe, dass wir morgen noch ganz viel besichtigen können“.
Von Daniela Schwan - Straubinger Tagblatt vom 25. April 2026



